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Im Umfeld der weltweiten Wirtschaftskrise erlitt der schweizerische Aussenhandel im Jahr 2009 einen Einbruch wie seit Jahrzehnten nicht mehr. So knickten Exporte und Importe - nach dem Rekordergebnis im Vorjahr - je um 26 Mrd. Fr. ein und rutschen damit auf das Niveau von 2006 zurück. Derweil erklomm der Überschuss in der Handelsbilanz einen neuen Höchststand (20,2 Mrd. Fr.).
Auf den Rekordwert im Vorjahr folgte im 2009 ein Einbruch der Exporte um 12,6 % auf noch 180,3 Mrd. Fr. (real: - 14,7 %). Dies stellt den stärksten Rückgang seit dem Jahr 1944 dar; zugleich fallen damit die Exporte wieder auf das Niveau des Jahres 2006. Nach einem bereits negativen Schlussquartal 2008 beschleunigte sich die Abnahme in den ersten beiden Quartalen 2009. Erst im 4. Quartal verlangsamte sich das Abwärtstempo sichtbar. Die Exportgüter verteuerten sich um 2,4 %; ohne die Preisentwicklung bei den Pharmazeutika resultierte indes ein Abschlag um 2,6 % (real: - 10,2 %).
Weniger Importe
Auch die Importe sackten mit -14,3 % deutlich ab und zwar auf 160,1 Mrd. Fr. (real: - 9,5 %). Das ist der höchste Einbruch seit 1975; damit liegen die Einfuhren wieder auf dem Niveau von 2006. Der im Schlussquartal 2008 einsetzende Rückgang verstärkte sich fortlaufend und erreichte zur Jahresmitte 2009 seinen Höhepunkt. Selbst das 3. Quartal zeigte noch ein hohes Minus, das erst mit der Halbierung im Schlussquartal in den einstelligen Bereich wechselte. Saisonbereinigt ergibt sich ein deckungsgleiches Muster. Die Preise der eingeführten Waren sanken um 5,3 %. Unter Ausschluss der Pharmasparte bildeten sich die Importgüterpreise sogar um 7,5 % zurück (real: - 7,4 %).
Rekordüberschuss in der Handelsbilanz
Im Jahr 2009 verbesserten sich die Terms of trade wesentlich, da die Preise der Exportgüter insgesamt stiegen, jene der Importe aber sanken. Die Rekordjagd beim Überschuss in der Handelsbilanz setzte sich auch im Jahr 2009 fort. Der Aktivsaldo ereichte mit 20,2 Mrd. Fr. ein neues Allzeithoch, der zugleich den Vorjahreswert noch um 3,7 % bzw. um 717 Mio. Fr. übertraf.
Dezember 2009: Exporte erstmals seit 14 Monaten im Plus
Erstmals seit 14 Monaten stiegen die Exporte im Dezember (+ 4,2 % auf 14,4 Mrd. Fr.; real: + 1,7 %), während die Importe um 4,9 % auf 13,0 Mrd. Fr. zurück gingen (real: - 5,4 %). Allerdings zählte der diesjährige Dezember einen Arbeitstag mehr als der Vorjahresmonat. Arbeitstagbereinigt stagnierten die Ausfuhren mit - 0,3 % (real: - 2,5 %) und die Einfuhren reduzierten sich um 8,8 bzw. 9,3 %. Exportseitig hoben sich die Ergebnisse der Chemischen Industrie sowie der Nahrungs- und Genussmittelindustrie erneut von jenen der übrigen Branchen ab. Die Preise der Exportgüter erhöhten sich um 2,4 %, derweil jene der Importwaren um lediglich 0,5 % stiegen. Unter Ausschluss der Preisentwicklung in der Pharmasparte verbilligten sich die ausgeführten Güter um 1,6 % (real: + 5,9 %) und die eingeführten Artikel um 2,2 % (real: - 2,7 %). Die Handelsbilanz wies einen Überschuss von 1,4 Mrd. Fr. aus; im Vorjahr betrug der Aktivsaldo nur 0,1 Mrd. Fr.
Alle Branchen schreiben rote Zahlen
Im Jahr 2009 lagen die Exporte aller Branchen unter dem Vorjahresergebnis. Bei 7 von 10 Industriezweigen bewegte sich der Rückgang zwischen 15 und 31 %. Nahezu schadlos hielten sich dagegen die Nahrungs- und Genussmittelindustrie sowie die Chemische Industrie (Pharmadivision), deren Lieferungen knapp unter dem Vorjahresniveau lagen. Am herbsten war der Rückgang bei der Metallindustrie, die namentlich in der Sparte Eisen und Stahl mehr als die Hälfte ihres Umsatzes verlor. Aber auch die Verkäufe von Aluminium reduzierten sich um einen Drittel. Der Versand der Maschinen- und Elektronikindustrie, der Uhrenindustrie sowie der Textil - und der Kunststoffindustrie sank zwischen 20 und 23 %. Bei Erstgenannten büssten die Exporte aller Subgruppen ein, besonders markant aber jene der Metallbearbeitungs- und Textilmaschinen sowie der Maschinen für die Papier- und Grafische Industrie. Stärker als die Gesamtausfuhr nahmen ferner die Ausfuhren der Papier- und Grafische Industrie sowie der Bekleidungsindustrie ab. Die Lieferungen von Präzisionsinstrumenten sanken um 7,2 %, wobei immerhin die grösste Subgruppe, die medizinischen Instrumente und Apparate, ihren Vorjahresabsatz halten konnte. Die Ausfuhren der Chemischen Industrie sowie der Nahrungs- und Genussmittelindustrie stagnierten insgesamt. Bei Ersteren dominierten aber klar die Minuszeichen: so schrumpften u.a. die Auslieferungen von Roh- und Grundstoffen, ungeformten Kunststoffen und Agrochemikalien um je einen Fünftel. Nur die Sparte Pharmazeutika, Vitamine und Diagnostika - als umsatzgrösste Gruppe - verzeichnete eine Steigerung (+ 5,2 % bzw. + 2,9 Mrd. Fr.). Auch bei der Nahrungs- und Genussmittelindustrie wies einzig eine Subgruppe ein Plus auf, und zwar der Versand von Kaffee (+ 20,6 %).
Absatz in der EU: - 19 Mrd. Fr.
Mit Ausnahme Afrikas (+ 3,2 %) gingen die Exporte nach allen Kontinenten zurück. Am deutlichsten fiel dabei das Minus bei Europa aus (EU: - 14,7 %), gefolgt von Lateinamerika und Asien (- 6,1 %). Auf Stufe Land brach der Versand nach Russland um einen Drittel ein, während jener in die Türkei, nach Taiwan, Irland, Polen und Norwegen um einen Viertel absackte. Die Ausfuhren in die Vereinigten Arabischen Emirate, nach Schweden, Thailand, Rumänien und Tschechien reduzierten sich um je einen Fünftel. In die grossen euro-päischen Volkswirtschaften Deutschland, Italien, Niederlande, Frankreich und Vereinigtes Königreich wurden zwischen 12 und 16 % weniger exportiert, derweil die Lieferungen in die USA um 9 % zurück gingen. Nur moderat sanken die Ausfuhren nach China. Demgegenüber stagnierten die Verkäufe nach Südkorea. Ein Plus von 3 bzw. 8 % wiesen die Exporte nach Kanada und Japan aus; hier spielte der Mehrversand von Chemikalien / Pharmazeutika eine zentrale Rolle.
Weniger Erdöl importiert
Alle Verwendungszweckgruppen erlitten bei den Importen auf breiter Front einen Nachfragerückgang, wenn auch in unterschiedlichem Ausmass. Am kräftigsten sanken die Importe von Energieträgern, die binnen Jahresfrist - ausschliesslich preisbedingt - um einen Drittel schrumpften; real stiegen sie sogar leicht. Die Einfuhren von Konsumgütern nahmen derweil nur moderat ab.
Bei den Importen verlief die Entwicklung nach Kontinenten gegensätzlich: während die Einfuhren aus Afrika (Libyen) um 60 % und jene aus Europa, Nord- und Lateinamerika um je 15 % sanken, stiegen die Importe aus Asien und Ozeanien um 6 bzw. 13 %. Gleich um 80 % schrumpften die Bezüge aus Libyen (Erdöl). Aus Südkorea und Brasilien wurde ein Drittel weniger importiert, und aus Kanada 28 % weniger. Um einen Fünftel reduzierten sich ferner die Einfuhren aus Kasachstan, Hongkong, Schweden, Belgien, Thailand und Ungarn, während jene aus Deutschland, Italien, der Niederlande und Frankreich um einen Sechstel sanken. Die Importe aus den USA und Irland verminderten sich um je einen Siebtel. Mit - 5 bis - 9 % war der Rückgang bei Japan, Dänemark, beim Vereinigten Königreich, bei Tschechien und Spanien deutlich niedriger.
Hingegen wuchsen die Einfuhren aus China um über 2 % und jene aus Russland um 9 %. Weit deutlicher expandierten die Importe aus Singapur und den Vereinigten Arabischen Emiraten, die um einen bzw. zwei Drittel zulegten. Gleich auf das Dreifache bzw. das Fünffache katapultierten sich die Lieferungen aus Aserbaidschan (Erd-öl) bzw. Vietnam (Goldornamente zum Einschmelzen im Wert von 1,9 Mrd. Fr.).